
Überblick
Einleitend zunächst ein kurzer Auszug aus dem Buch „Der
Kailbach“ (erschienen im November 1995) von Erich Gerten und Manfred Morsbach:
„ Bevor wir die Mündung des Kailbachs erreichen, darf ein Einblick in die
Geschichte Niederkails nicht fehlen. Erste Nachrichten zur Entwicklung des Ortes
am Unterlauf des Kailbachs stammen aus dem beginnenden 13. Jahrhundert....Niederkail
gehörte jahrhundertelang als Filiale zur großen Pfarrei Gransdorf. Bei der
Erhebung Landscheids zur Pfarrei 1803 wurde Niederkail in diese neue Pfarrei
eingepfarrt...Zur Zeit von Peter Zirbes und der fahrenden Händler stieg die
Einwohnerzahl des Ortes. 1832 wohnten in Niederkail 526 Katholiken, 1845 waren
es bereits 579....Die Entwicklung im 20. Jahrhundert lässt das stetige Bemühen
des Ortes um seine Identität erkennen. Die fahrenden Händler stiegen um auf
motorisierte Fahrzeuge. ...Der Berufsstand war jedoch zum Aussterben verurteilt.
Der wirtschaftliche Aufschwung hatte attraktivere Arbeitsplätze in der engeren
Heimat geschaffen. Obwohl Niederkail kommunalpolitisch zur Mehrortsgemeinde
Landscheid gehört, hat es als Dorf und Wohnort seine Eigenständigkeit
bewahrt.“
Im April 1972 hatte der Gemeinderat von Niederkail beschlossen, der Gemeinde ein
Wappen zu geben. Nach mehreren Vorschlägen entschloss man sich für das
nachfolgende Wappen, das heute noch am ehemaligen Feuerwehrgerätehaus und auf
dem Gedenkstein unserer Partnergemeinde Woel (Frankreich) sichtbar ist.
Der
obere Teil des Wappens zeigt auf grünem Grund ein silbernes Kreuz mit Geweih.
Hierbei handelt es sich um das Sinnbild des heiligen Hubertus, des Schutzpatrons
der katholischen Kirche in Niederkail. Der linke Abschnitt zeigt auf silbernem
Grund das rote Kur-Trier-Kreuz als Sinnbild der Verwaltungszugehörigkeit. Ein
goldenes Rad auf rotem Grund soll die Tradition des ambulanten Gewerbes in
Niederkail aber auch die Zugehörigkeit zur früheren Amtsverwaltung Binsfeld
dokumentieren.
Niederkail
wird erstmals im Jahre 1070 erwähnt als der Ort, an dem der Edelmann „Godefried
von der Keyle“ seinen Wohnsitz hatte. Er besaß zwei Wassermühlen am oberen
und unteren Lauf des „Kaylbaches“. Daher der heutige Name Niederkail. Im
13./14. Jahrhundert gehörte der Ort zum Simeonstift Trier, anschließend zum
Kloster Himmerod. Niederkail ist anerkannter Fremdenverkehrsort und war bis 1975
eine selbstständige Gemeinde. Niederkail ist heute ein Ortsteil der
Mehrortsgemeinde Landscheid und gehört zur Verbandsgemeinde
Wittlich-Land im Landkreis Bernkastel-Wittlich
(Rheinland-Pfalz).
Das Dorf liegt im idyllischen Kailbachtal in der Südeifel
und bietet dem Ruhe suchenden Touristen, als auch dem aktiven Wanderer und
Mountainbiker eine Vielzahl von Möglichkeiten und Anlaufpunkten.
Es bieten sich
Tagesausflüge nach Trier, an die Mosel (Bernkastel-Kues), Luxemburg,
Idar-Oberstein oder in die Vulkaneifel an. Die Kreisstädte Wittlich und Bitburg
sind 15 bzw. 20 km entfernt, Trier liegt rund 30 km südwestlich. Die Gemarkung
von Niederkail erstreckt sich zwischen 220 und 340 m über NN und hat eine
Größe von 549 ha.
| 1569 | Erwähnung einer Kapelle in Niederkail in einem Visitationsbericht der Pfarrei Gransdorf |
| 1777 | Bau einer Kapelle |
| 1825 | Am 10.01. Geburt des Eifeldichters Peter Zirbes in Niederkail |
| 1879 |
Großbrand in Niederkail, mehr als 50% des Ortes zerstört oder beschädigt |
| 1900 | Schulneubau |
| 1901 | Am 14.11. Todestag von Peter Zirbes |
| 1904 | Einweihung des Friedhofes |
| 1907 | Typhusepidemie; 6 Kinder sterben |
| 1908 | Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Niederkail |
| 1911 | Kaiser Wilhelm II besucht Himmerod; Schulen stehen Spalier |
| 1920 |
Im September erstmals elektrisches Licht in Niederkail |
| 1923 | Entdeckung des „Römergrabes“ |
| 1928 | „Postauto“-Verbindung zur Kreisstadt Wittlich |
| 1930 | 25-Jahrfeier Handelsverein Niederkail |
| 1932 | Gründung Sportverein Niederkail |
| 1945 | Am 8.03. Einmarsch der Amerikaner Am 15.11. Wideraufnahme des Schulbetriebs |
| 1949 | Erste fahrende Händler wieder unterwegs |
| 1952 | Einweihung des erweiterten Kriegerehrenmals |
| 1955 | Grundsteinlegung für den Neubau der Kirche und Gründung des
Musikvereins Niederkail (ehem. Feuerwehrmusikkapelle) |
| 1961 | Einweihung Kalksandsteinwerk in Niederkail |
| 1968 | Erster Karnevalszug durch Niederkail |
| 1971 | Kailbachregulierung und Auflösung der Grundschule Neubau eines Industriebetriebs „Auf dem Hebricht“ (heute Firma Börner) |
| 1972 | Partnerschaft Niederkail-Woel (Frankreich) |
| 1991 | Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses |
| 1994 | Abschluss umfangreicher Dorferneuerungsmaßnahmen |
| 2001 | Feier anlässlich des 100. Todestages von Peter Zirbes |
| 2002 |
Einweihung der „Stelioplast-Sportanlage“ |
| 2005 | Neubaugebiet "Im Ehlert" ; Beginn der Erschließungsarbeiten für 22 neue Baustellen |
| 2008 | Eröffnung des Premium-Wanderweges Eifelsteig, der auch durch Niederkailer Gemarkung führt |
Niederkail hat heute rund 650 Einwohner, darunter ca. 80 Militär- und Familienangehörige der US-Streitkräfte, die auf dem 2 km Luftlinie entfernten Flugplatz Spangdahlem stationiert sind. Die Einwohnerentwicklung von 1563 bis heute stellt sich wie folgt dar:
| Jahr | Einwohner |
| 1563 | 14 "Feuerstellen" ~ Haushalte |
| 1787 | 213 |
| 1818 | 424 |
| 1849 | 632 |
| 1858 | 640 |
| 1885 | 657 |
| 1900 | 652 |
| 1909 | 688 |
| 1939 | 619 |
| 1950 | 595 |
| 1961 | 603 |
| 2011 | ca. 650 * |
* incl. ca. 80 in der Gemeinde lebende US-Amerikaner mit Familienangehörigen, die nicht der Meldepflicht unterliegen
Der Ort liegt an der B 50; die Autobahn A 60 wurde Ende 2002 freigegeben, damit verbesserte sich die verkehrliche Anbindung der Gemeinde wesentlich. Unmittelbar durch den Ort führt der "Karl-Kaufmann-Weg" (Hauptwanderweg des Eifelvereins) sowie der Fernradweg "Eifel-Mosel-Route" von Koblenz nach Trier. Der Eifelsteig streift die Niederkailer Gemarkung im Süden.
Fotoimpressionen zeigen Eindrücke aus Niederkail.
Die nachfolgende Beschreibung
von Ferdinand Reiland erschien im Jahrbuch 1991 des Kreises Bernkastel-Wittlich
und wurde auszugsweise (ergänzt um eigene Anmerkungen) wiedergegeben.
Folgt man von Wittlich aus der Bundesstraße 50 nach Westen,
erreicht man nach etwa 15 Kilometern das malerische Kailbachtal, das vom
Kailbach durchflossen wird.
Dieser relativ kleine Bach, der zumeist harmlos dahinplätschert,
kann aber auch ein unangenehmer Geselle werden, wenn er zur Schneeschmelze im Frühjahr
über die Ufer tritt.
In einer langezogenen Windung des herrlichen Tales liegt Niederkail,
der Geburtsort des bekannten Heimatdichters Peter Zirbes (1825 –1901). An der
nach ihm benannten Peter-Zirbes-Straße steht sein Wohnhaus, das vor einigen
Jahren von der Ortsgemeinde restauriert wurde und Einblick in die Wohnkultur des
19. Jahrhunderts gewährt.
Die Talhänge um Niederkail sind mit Wiesen, Feldern, Wäldern und
Buschwerk bestanden. Im Frühjahr schmücken Schwarzdorn (Schlehe) und Ginster,
das sogenannte Eifelgold, die Landschaft des Kailbachs mit ihrer Blütenpracht.
Oberhalb von Niederkail weitet sich das Bachtal zu einem Kessel, der stärker
von Wald umrandet ist und wohl zu den idyllischsten Abschnitten des Wasserlaufs
zählt. Von hier aus überblickt man den Kailbach, der in zahlreichen Windungen
seinen Weg sucht und stets von Bäumen gesäumt wird.
Etwas weiter talaufwärts
am rechten Hang wurde ein grabähnliches Gebilde, landläufig als „Römergrab“
bezeichnet, bei Steinbrucharbeiten am 15.05.1923 entdeckt. Es besteht aus einem mächtigen
Sandstein mit vier bemerkenswerten halbrunden, apsidenartigen Ausbuchtungen,
vermutlich aus der Zeit um 200 n. Chr.
Oberhalb des Kessels wird das Bachtal enger und die mit Mischwald bedeckten Hänge steiler. In diesem Bereich erstreckt sich die Einflugschneise des Militärflugplatzes Spangdahlem unmittelbar über das Tal. Der Bachlauf bildet die Grenze zwischen den Landkreisen Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich. Beiderseits des Kailbachs begleiten ihn Wirtschaftswege, die zum besinnlichen Wandern einladen. Etwa drei Kilometer von Niederkail entfernt, auf einem Bergkegel, findet der Heimatfreund die Burscheider Mauer, einen kreisförmig angelegten Steinwall mit einem Durchmesser von ca. 250 Metern. Bei Ausgrabungen wurde festgestellt, dass sich hier eine mächtige, teilweise fünf Meter hohe, Wehrmauer befand. Bei der Gesamtanlage handelte es sich um eine Keltensiedlung aus der Zeit um 80 n.Chr. Neben Gebäudeteilen fand man bei den Grabungen kaum beschädigte Dachziegel, Messer und sogar eine Bronzemünze.
Nach etwa einem Kilometer aufwärts weitet sich das Tal wieder, und man erreicht die gut erhaltene Brandenmühle, deren Mahltätigkeit seit Jahren eingestellt und die heute als Wochenendhaus umgestaltet ist. Das Mühlrad ist noch voll funktionsfähig.
In diesem Bereich sind die
Berghänge bedeutend sanfter als bei der Burscheider Mauer und mit dichtem Wald
bedeckt. Das Kailbachtal bildet sich allmählich zu einer Mulde aus. Oberhalb
der Brandmühle liegt Hof Raskop. Dazwischen führt eine mächtige Talbrücke
die A 60 über das Kailbachtal.
Zwischen Niederkail und der Mündung des Kailbachs in die Salm
stellen sich die mit Mischwald bewachsenen Hänge höher dar. Zur Rechten
entdeckt man ein leicht ansteigendes, von Wald eingerahmtes, hufeisenförmiges
Wiesengelände mit der Flurbezeichnung „Seitert“. Von diesem herrlichen
Fleckchen Erde gewinnt der Betrachter ein eindrucksvolles Bild vom unteren
Kailbachtal, das zu den romantischsten Tälern unserer Gegend zählt.
Bis heute gilt die Redensart, wer einmal aus dem
Kailbach getrunken hat, kehrt wieder dorthin zurück. Manche sind sogar dort
geblieben...
Einige Daten zum Kailbach: Die Lauflänge beträgt von der Quelle bis zur Mündung 18,3 km. Die Quelle liegt nördlich von Seinsfeld. Er durchquert Seinsfeld und Oberkail am Oberlauf und Niederkail am Unterlauf. Sein Einzugsgebiet beträgt 56,7 qkm. Sein Lauf führt den Kailbach von 470 m über Meereshöhe im Quellbereich auf 215 m an der Mündung. Der Mittelwasserabfluss liegt bei 570l/sec; er schwankt jahreszeitlich erheblich.
Kurzübersicht:
Das ambulante Gewerbe kann in Niederkail auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken. Die örtlichen Chroniken geben keine genauen Daten hierüber an, jedoch ist nachweisbar durch die Schriften des bekannten Eifeldichters Peter Zirbes aus Niederkail, dass dessen Großvater Johann Zirbes im Jahre 1737 als Sohn von Handelsleuten geboren wurde. Wahrscheinlich ist die Geschichte des ambulanten Gewerbes in Niederkail so alt, wie in Speicher (einem benachbarten Ort) Tontöpfe und dergleichen hergestellt werden, denn diese Erzeugnisse wurden zuerst von den Händlern verkauft. Das Wandergewerbe wurde aus einer Notlage heraus geboren. Die kargen Ackerschollen der Gemeinde waren nicht in der Lage, alle Bürger zu ernähren. So musste man ausziehen und auf andere Art den Lebensunterhalt sicherstellen. Diese Art des Handels hat sich über die Jahrhunderte bis heute erhalten, jedoch in einer wesentlich reduzierteren Form.
Früher
trug man mit Hotten auf dem „Buckel“ die Waren bis weit an den Rhein. Später
kamen die Eselskarren mit Planwagen, dann die großen pferdebespannten Wohn- und
Handelswagen und später im Zuge der Motorisierung die Lkw-Wohn- und
Handelswagen.
Vor dem Krieg war das ganze Deutsche Reich Handelsplatz für die wandernden Händler aus der Eifel. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Flüchtlinge aus Ostpreußen sich angenehm an die „Pöttcheswagen“ erinnern konnten, die sie regelmäßig besucht haben.
Exkurs:
Die nachfolgende Beschreibung von Prof. Dr. Bärbel Kerkhoff-Hader erschien im Jahrbuch 1983 des Kreises Bernkastel-Wittlich und wurde auszugsweise (ergänzt um eigene Anmerkungen) wiedergegeben.
Im Jahr 1982 waren 9 Händler aus Niederkail im Besitz einer Reisegewerbekarte, die es Ihnen gestattete, Textlilien, Schuhe, Haus- Und Küchengeräte, Korb- und Kleineisenwaren sowie andere Dinge ambulant zu verkaufen. Damit setzten sie die Tradition der „Hoalegäns“ fort. So nannte der Volksmund früher die Vertreter des Händler- und Hausierergewerbes. Vor fast 70 Jahren schrieb Viktor Baur: „Hoalejäns hießen die Landscheider Wagenzüge im Eifeler Volksmund, der sie sinnig mit den Kranichzügen vergleicht, die im Frühjahr über die Eifelberge kommen und im Herbst wieder im langsamen Flug nach Süden ziehen.“
Von Viktor Baur stammt auch die nachfolgende Schilderung: „ Sobald die schlimmsten Märzwetter in der Eifel ausgetobt, dann rüsten die fahrenden Händler zur Ausfahrt. Die schulpflichtigen Kinder bleiben während des Sommers bei Verwandten und Ortsleuten. Es ist ein malerisches Bild, wenn die hohen Wagen, mit bunten Segeltüchern überspannt, oft in Reihen bis zu 12 Stück hintereinander, die Eifeler Straßen passieren....“
Den frühesten Hinweis auf eine Handelstätigkeit in dieser Region gibt ein Weistum aus dem Jahr 1506.
1817 heißt es für den Ort Niederkail: „Die Einwohner dieser Gemeinde ernähren sich hauptsächlich mit dem Feldbau und Viehzucht, doch befinden sich auch darin Handelsleuthe, als Klaß, Parzolein und Steingeschirr.....zwey Maurer, ein Schumacher, und eine Kalk Brennerey...“
Die Händler von Landscheid und Niederkail waren in der überwiegenden Mehrzahl sogenannte Fremdhausierer. Selbsterzeugte Waren oder Dienstleistungen waren von untergeordneter Bedeutung. Glas, Porzellan und Steingeschirr, d.h. Steinzeug, waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts Haupthandelsartikel, wie es in der Niederkailer Ortsbeschreibung von 1817 steht.
Einen umfassenden Eindruck von der sozialen Struktur und der Art und Weise des Hausierhandels gibt ein Bericht des Gemeinderates von Niederkail vom 31. Dezember 1864 an den Bürgermeister von Binsfeld:
„Wie Euer Wohlgeboren bekannt, zählt der Ort Niederkail 130 Haushaltungen. 80 derselben treiben Ackerbau und nebenbei Tagelohn, während die übrigen 50 Haushaltungen sich als wandernde Hausirer durch den Handel mit Glas- und Steingutwaren ernähren......Die handeltreibenden Familien verlassen bei eintretendem Frühjahr, durch einen Gewerbeschein conzessioniert, die Heimath, vertheilen sich nach allen Richtungen der beiden westlichen Provinzen Preußens, ihre Handelsobjekte mittels einer mit Pferd bespannten Wagens transportierend und kehren bei eintretendem Winter zur Heimath zurück. Die während des Sommers erhandelte Ersparnis sichert wie wohl noch eine dürftige Existenz den Winter über...“
Die
Struktur des Händlergewerbes ist gut ablesbar an der Beförderungsart der Ware.
Zu den Erfolgreicheren im Handel gehörten diejenigen, die mit einem ein- oder
zweispännigen Pferdefuhrwerk auf den Handel zogen und so einen weiteren
Handlungsradius hatten. Ihre Fuhrwerke waren nicht die üblichen Bauernwagen,
sondern es waren Kastenwagen mit seitlichen Stellagen, über die eine Plane
gezogen werden konnte. Im Innern gab es Strohsäcke als Schlaflager. Mit einem
solchen Wagen kamen noch um 1930 Niederkailer Händler nach Speicher, um
Steinzeug zu kaufen.
Entwicklung des Händlergewerbes in Niederkail
| Jahr | Anzahl der Händler |
| 1849 | 37 |
| 1858 | 43 |
| 1883 | 75 |
| 1950 | 60 |
| 1960 | 29 |
| 1965 | 27 |
| 1982 | 9 |
| 2002 | 7 |
Verteilung der Händlerwagen in Niederkail
| Jahr | Emaillehändler mit Wohnwagen | Textilhändler mit PKW |
| 1950 | 40 | 20 |
| 1965 | 16 | 12 |
Um 1930 gab es aber auch schon einen Wagentyp, der mit größerem Komfort ausgestattet war. Mit diesen Wagen zogen die Händler im ganzen Rheinland und in Westfalen umher und kamen vor dem Ersten Weltkrieg bis nach Ostpreußen. Vor dem Zweiten Weltkrieg ging man dazu über, Lastwagen entsprechend umzubauen und seit den fünfziger Jahren kamen dann auch umgebaute Kleintransporter und Kleinbusse zum Einsatz.
Eine
Ausweitung des Wandergewerbes konnte nach dem Zweiten Weltkrieg beobachtet
werden.
Zunächst war aber die wirtschaftliche Lage unmittelbar nach dem Krieg laut Schulchronik schlecht. Sie berichtet: „....Die Handelsleute waren alle ihrer Existenz beraubt. Handelswagen, Kraftfahrzeuge und Schlepper waren von der Wehrmacht beschlagnahmt worden.......Trotz dieser Notlage kamen doch immer die meisten Kinder saubergekleidet und einigermaßen ernährt zum Unterricht. Väter und Mütter haben sich redlich geplagt, um ihre Kinder die Not sowenig wie möglich spüren zu lassen...“
Ein weiterer Bericht aus der Schulchronik aus dem Jahr 1950:
„Nach der Währungsreform ging es auch wirtschaftlich in Niederkail wieder langsam aufwärts. Mit allen möglichen Waren wurde gehandelt. Per Fuß, mit der Eisenbahn und auf Fahrrädern wurden die Waren besorgt und verkauft. Durch zähen Fleiß arbeiteten sich die Ambulanten wieder in die Höhe. Bald kamen sie mit Motorrädern und Personenwagen und schließlich wieder mit Last- und Handelswagen.....Im Frühjahr 1949 zogen dann die ersten ambulanten Händler schon wieder auf große Fahrt in das nun klein gewordene Deutschland. Ihr Erfolge waren aber so groß, dass sich 1950 die meisten ambulanten Händler zur großen Fahrt rüsteten. Ein Aufatmen ging durch die Gebiete an Mosel und Rhein, als die „Zugvögel der Eifel“ wieder auftauchten, denn wenn diese Zugvögel fliegen, sollen die Zeiten besser werden....“.
In einer Beschreibung des Amtes Binsfeld von 1959 heißt es: „ In Landscheid, Niederkail, Burg und Binsfeld wohnen viele Händler, die vom Frühling bis zum Winter mit ihren Spezialfahrzeugen in allen Teilen Deutschlands unterwegs sind, um in erster Linie Haushaltswaren und Textilien zu verkaufen.“
Der Aufschwung des Hausiergewerbes um 1950 in den Nachbarorten Burg und Binsfeld hielt nicht an, sondern die Zahl der Händler sank wieder auf frühere Werte. Nur Landscheid und in verminderten Maße Niederkail behielten bis heute eine sozialgeographische Bedeutung in Bezug auf das Wandergewerbe.“
In
Niederkail steht das Wohnhaus (Baujahr 1829) des Eifeldichters und
wandernden Steinguthändlers Peter Zirbes (1825-1901).
Das
als Heimatmuseum eingerichtete reetgedeckte Haus, das die Ortsgemeinde
Niederkail 1973 zusammen mit dem künstlerischen Nachlass erwerben konnte,
dokumentiert das Leben und Werk des Dichters. Es kann nach Terminabsprache
besichtigt werden. Küche, Wohnstube und Schlafzimmer sind im Stil des
beginnenden 19, Jahrhunderts eingerichtet und geben einen guten Einblick in den
Lebensstandard der wandernden Steinguthändler. Die Inneneinrichtung ist wie zu
Lebzeiten des Dichters, mit Portraits, von ihm gefertigten Ölbildern und
Erstausgaben seiner Werke. Die erhaltenen schriftlichen Dokumente in Niederkail
sind dank der geschwungenen Handschrift von Peter Zirbes eine besondere
Augenweide.
Besucher können sich bei Oskar Lautwein (Telefon 06575-4271) oder bei M. Lautwein Licht-Lautwein(at)t-online.de melden.
Das wohl bekannteste und meist zitierte Gedicht von Peter Zirbes, das er um 1856 zu Papier brachte:
Prosa und Poesie
Ich bin ein fahrender Sänger,
gebürtig zu Niederkail,
und habe nebst Gedichten
auch Glas und Steingut feil.
Das eine gewährt mir Freude,
das andere gibt mir Brot
und so beschützen mich beide
vor inn`rer und äußerer Not.
Oft, wenn zum Staube nieder,
die Prosa mich gedrückt,
hat mich die Dichtung wieder
zum Himmel selig entrückt.
So schlingen zur Lebenskette
sich beide Ring an Ring.
Was brauche ich da noch zu wünschen,
dass es mir besser ging.
Peter Zirbes gilt als der bedeutendste Eifeldichter. Schon als Kind
begleitete er seine Eltern, ehrbare Handelsleute, auf ihren Wanderungen. Die
Schule konnte er nur im Winter besuchen.
„...Wir Kinder wurden früh
umhergeschleppt, bei Regen und Sonnenschein. Gegen Winter schaffte uns der Vater
heim. Dann musste ich die Schule besuchen. Anfangs fiel mir das Lernen schwer;
aber hatte ich mit Mühe gelernt, so war`s auch hinter die Ohren
geschrieben.....Und als ich lesen konnte, fühlte ich den unwiderstehlichen
Drang in mir, Bücher zu lesen..“
Nach seiner Schulentlassung setzte er das ambulante Gewerbe seiner Eltern fort. Sobald die erste Frühjahrssonne lockte, spannte er den Esel, später ein Pferd, an, lud seine Töpfe, Teller und Tassen auf und reiste rasselnd durchs Land. Die Bauern wussten, dass dieser Händler etwas Besonderes war, dass er auch geistige Ware feil hatte, doch verlachten sie den Träumer. Einmal lachte dem armen Dichter das Glück. Ein Gönner ließ seine Gedichte drucken und er schickte ein Bändchen dem König von Preußen. Es brachte ihm 150 Taler ein. Bis nach Amerika dringt jetzt die Kunde von dem seltsamen Sänger. Als Kolonialwarenhändler, Versicherungsagent und Nebenerwerbslandwirt versuchte er sich später mehr oder weniger erfolgreich. Doch er verzagte nicht und dichtete weiter. Neben zahlreichen Gedichten bearbeitete er in einer späteren Schaffensphase die Sagen seiner Heimat.
Wenn es dem Dichter auch nicht gelang, sich aus den ärmlichen Verhältnissen zu befreien, so fand er doch die Anerkennung bekannter Persönlichkeiten, darunter der Dichter Gustav Freytag. Aus Anlass des 100. Todestages im Jahr 2001 würdigten der Peter-Zirbes-Kulturkreis, die Volkshochschule Wittlich sowie die Ortsgemeinde den Dichter mit zahlreichen Veranstaltungen, die eine überaus große Resonanz bei Jung und Alt verzeichneten. Eine wissenschaftliche Auswertung des dichterischen Nachlasses ist in Vorbereitung.
Eine Sammlung seiner Gedichte liegt in Buchform vor, ist aber z.Z. vergriffen.
In diesem Zusammenhang kann auch ein weiteres heimatkundliches Werk von Erich Gerten und Manfred Morsbach mit dem Titel „Der Kailbach – Geschichte und Geschichten um einen Eifeler Wasserlauf“ sehr empfohlen werden.
Stationen von Peter Zirbes:
In Vorbereitung ist die wissenschaftliche Aufarbeitung des Gesamtwerkes von Peter Zirbes im Rahmen einer Diplomarbeit.
Im Dezember 2006 ist eine CD mit den Werken von Peter Zirbes erschienen; Bestellungen nimmt der Verlag entgegen - www.vlg-gehlen.de
Zum Abschluss der Rubrik „Unser Dorf“ folgt nunmehr eine kurze Übersicht des Einsatzgebietes der Freiwilligen Feuerwehr Niederkail und der besonderen Gefahrenstellen:
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